Millionen von Papageien werden als Haustiere gehalten. Das Verständnis der visuellen Kommunikation von Papageien kann dazu beitragen, deren Wohlbefinden in Menschenhand zu beurteilen und damit zu verbessern.

Der Mensch – einzigartig in der Kommunikation?

Früher glaubten wir, komplexe Kommunikation sei auf den Menschen beschränkt. Es hat sich jedoch immer wieder gezeigt, dass andere Kreaturen in der Lage sind, komplexe Botschaften auf einer überraschend großen Anzahl verschiedenster Weisen zu übermitteln. Einfach gesagt, wir sind bei weitem nicht so einzigartig, wie wir immer glaubten. Mittlerweile können wir noch eine weitere Geste von der Liste „nur für Menschen“ streichen: Das Erröten.

Gelbbrust-Aras unter Beobachtung

In einer Studie wurden fünf Gelbbrustaras beobachtet, während sie miteinander und mit ihren menschlichen Betreuern interagierten. Man beachtete die Federhaltung (aufgestellt oder glatt) auf Kopf, dem Nacken und der Wange sowie das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Röte auf der bloßen Haut der Wange.

So versuchte man herauszufinden, was diese Gesten bedeuteten, und stellten fest, dass das Aufstellen der Federn häufiger auftrat, wenn die Vögel nicht in Bewegung waren, insbesondere während sozialer Interaktionen und Ruhephasen. Dem gegenüber war das Erröten viel häufiger, wenn der Pfleger aktiv mit dem Papagei interagierte. Dies deutet darauf hin, dass das Aufstellen der Federn sowie das Erröten oft mit positiven sozialen Interaktionen verbunden ist und verwendet werden kann, um dieses Gefühl dann auch zu kommunizieren.

Aline Bertin vom INRA Centre Val de Loire, Frankreich schrieb in einem Bericht: „Wie Vögel Mimik verwenden und ob sie ihre inneren subjektiven Gefühle kommunizieren, ist eine entscheidende Frage, um unser Verständnis von Vogelempfinden und -befinden zu verbessern.“ und damit hat sie sicherlich recht. Je besser man seine Tiere „lesen“ kann, umso besser kann man auf sie und ihre Verhaltensweisen eingehen und damit arbeiten.

„Das Erröten ist möglicherweise kein menschliches Merkmal: Die federlose Wange der Gelbbrust-Aras zeigt schnelle Veränderungen der Hautfarbe in Situationen, die mit (starken) Emotionen verbunden sind. Das besonders komplexe Gesicht des Aras kann die Kommunikation von Emotionen über Farb- und Federspiel ermöglichen “, kommentiert Bertin weiter.

Platz für Interpretation bleibt dennoch

Bei den Ergebnissen gebe es noch Interpretationsspielraum, räumen Bertin und ihr Team ein. Dies sei nur eine kleine Stichprobe, und wann immer man versuche, die subjektiven Gefühle eines Tieres zu erörtern, bliebe ein gewisser Interpretationsspielraum. Aber gerade Aras haben sich als hochintelligent erwiesen und zählten, nicht ohne Grund, allgemein zu den intelligentesten Vögeln.

Dies ist nicht nur ein bemerkenswertes Merkmal, sondern könnte auch für das Wohlergehen der Millionen Papageien von Bedeutung sein, die als Haustiere gehalten werden.

Den Artikel im Detail (in englisch) finden Sie auf PLOS ONE, einer internationalen Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science: Link

Anmerkung des Blog-Autors: Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt, es handelt sich hier nur um einen Auszug aus den Versuchsbeobachtungen, die im Ganzen unter o.g. Link zu finden sind. Ich möchte darauf hinweisen, wer mit GB-Aras lebt, dem ist sicher schon aufgefallen: extreme Emotion führt häufig zum Erröten der Gesichtshaut bei den Tieren. Dabei handelt es sich dann öfter auch um eine eher wenig positive Einstellung 😉
Generell geht es nur darum darzustellen, dass gute Beobachtung der Vögel durchaus eine Mimik erkennen lassen kann, was wiederum den Umgang mit den Tieren deutlich erleichtert.