Folgende Forschungsergebnisse wurden diese Woche in der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht:

Edelpapageien-Weibchen picken ihre männlichen Babys zu Tode, um die Weibchen zu retten, die leichter aufzuziehen sind.

Edelpapageien sind, neben dem Menschen , die einzige bekannte Spezies im Tierreich, die ihre Nachkommen aufgrund ihres Geschlechts tötet, haben australische Forscher entdeckt.

Die im tropischen Australien und in Papua-Neuguinea beheimateten Edelpapageien töteen manchmal ihre männlichen Küken. Sie picken sie kurz nach dem Schlüpfen zu Tode. Wenn die Männchen beseitigt sind, haben die schneller wachsenden weiblichen Kükenn eine viel bessere Chance, widrige Bedingungen zu überleben.

Ein Forscherteam der Australian National University in Canberra hat in den letzten 10 Jahren das Verhalten von Edelpapageien (Eclectus roratus) in den tropischen Regenwäldern von Cape York in Queensland untersucht.

„Es muss genaue Umstände geben, unter denen die Papageienmutter einen Säuglingsmord begehen würde“, sagt Professor Robert Heinsohn, Hauptautor und Evolutionsbiologe an der ANU. „Menschen sind die einzigen anderen Arten, die systematisch ihre eigenen Nachkommen eines Geschlechts töten. Aber in diesem Fall können wir beweisen, dass es das auch bei Edelpapageien gibt.”

Die Papageien bauen ihre Nester in Baumstammhöhlen etwa 30m über dem Boden, aber oftmals gibt es davon nicht genug. Tatsächlich gibt es so wenige, dass Weibchen buchstäblich bis zum Tod kämpfen, um sich eine Nisthöhle zu sichern, in der sie brüten können.

Jene Vögel, die in niedrigen, hochwassergefährdeten Höhlen landen, haben eine viel härtere Zeit, ihre Jungen aufzuziehen, besonders während der Regenfälle.

“Die Bruthöhle könnte sich jederzeit mit Wasser füllen, und sie haben nur dieses sehr kleine Zeitfenster, um die Aufzucht hinter sich zu bringen”, sagt Heinsohn. “Und wenn sie ein männliches Küken im Nest haben, verlangsamt das den gesamten Prozess.”

Weibliche Küken werden bis zu sieben Tage früher flügge als ihre männlichen Geschwister, sodass Mütter in schlechter gelegenen Nisthöhlen bessere Erfolgschancen haben, wenn sie die männlichen Küken töten und ihre mütterlichen Anstrengungen auf die weiblichen konzentrieren.

Dr. Glen Chilton, Ornithologe an der James Cook University in Townsville, sagt, während Säuglingsmord eher selten ist, ist es allerdings nicht ungewöhnlich, dass Arten mehr Nachkommen hervorbringen, als sie aufziehen können.

„Der weibliche amerikanische weiße Pelikan legt immer zwei Eier und zieht nie mehr als einen Nachwuchs auf. Sie können es einfach nicht, und so ist das zweite Ei eine Versicherung “, sagt er. „Eclectus-Papageien geben ihr Bestes, um einen genetischen Beitrag für nachfolgende Generationen zu leisten. Sie sind getrieben, es zu tun. Es ist in ihren Genen fest verankert.”

Die Papageien haben auch die unglaublich seltene Fähigkeit, das Geschlecht ihrer Nachkommen zu kontrollieren. Oft, aber nicht immer, können sie eine Reihe von Frauen oder Männern hintereinander hervorbringen.

Edelpapagei-Weibchen, die in hochwassergefährdeten Höhlen leben, scheinen die Fähigkeit entwickelt zu haben, weniger Männchen als die Weibchen in sicheren Höhlen zu zeugen – was bedeutet, dass sie nicht so viele Babys töten müssen.

Heinsohn sagt, dass der Säuglingsmord natürlich dann das Geschlechterverhältnis der Vögel verschlechtert.

“Das bedeutet, dass diese Weibchen Probleme haben werden, Partner zu finden”, sagt er. “Vorausgesetzt, sie tun es nicht zu oft, sind die Vorteile der Produktion von mindestens einem überlebenden Küken so groß, dass Sie damit davonkommen können.”

Der Klimawandel und das Wetter dürften sich auch in Zukunft auf die Lebensfähigkeit von Papageiengelegen auswirken, insbesondere wenn es längere Regenzeiten gibt. “Das würde ein viel größeres Überfluten der Nisthöhlen bedeuten, was sich sowohl in Bezug auf die Anzahl als auch in Bezug auf das ungleichmäßige Geschlechterverhältnis negativ auswirken wird”, sagt Heinsohn.

Aber Dr. Chilton ist optimistisch, dass die Populationen der Edelpapageien stabil bleiben werden, er meint, dass es andere Mechanismen gibt, um das Geschlechterverhältnis auszugleichen. Wenn zum Beispiel die Regenzeit mehr Weibchen hervorbringt, ist die Trockenzeit möglicherweise für männliche Küken günstig. Oder wenn mehr Weibchen in ungünstigen Nisthöhlen geboren werden, werden vielleicht mehr Männchen in guten Nestern geboren.

Zukünftige Forschung wird sich diesem Thema annehmen.