Papageienernährung ist so eine Sache. Man liest viel darüber, wie groß die Bedeutung von frischem Futter für unsere gefiederten Lieblinge ist. Im Selbstversuch muß man dann später ernüchtert feststellen, dass eigentlich alles das was frisch UND gesund ist, nämlich Gemüse, gerne ignoriert wird, süßes Obst hingegen in allen Variationen sehr gerne verspeist wird. Aber gerade der hohe Zuckergehalt der beliebten Obstsorten ist das Problem. Ist er doch oft der erste Schritt zu den üblichen “Wohlstandskrankheiten” unserer Vögel.

Die meisten Halter geben viel zu schnell auf, was das Verfüttern von Gemüse angeht. Sie sind zufrieden, wenn ihre Vögel Obst essen, das muß doch wohl reichen. Oft rege ich dann eine “kreativere Fütterung” an und stoße dabei nicht selten auf erstaunte Blicke. Kreative Fütterung besteht nicht nur aus Verteilen von Saaten oder Pellets in Foraging-Spielzeugen oder aus dem Aufspießen von Obst und Gemüse auf Fruchtspieße, es gibt so viel mehr Möglichkeiten.

Darauf möchte ich in diesem Blogbeitrag eingehen.

Es gibt schier unendliche Möglichkeiten auch die Frischfutter-Fütterung unserer Heimpapageien interessant zu gestalten. Im Grunde ist es einfach nur eine Sache der Präsentation. Wir kennen es doch selber, das Auge isst mit. Präsentiert man uns einen nett gestalteten Teller mit Essen, sind wir auch erst einmal neugierig, was da so drauf ist.

Der einfachste Weg ist natürlich der, über beliebte Anteile Futter. Ködern Sie ihre Vögel mit Dingen, die sie im Futter lieben. Fein gehackte Nüsse oder etwas gehacktes Obst zu ihrem Gemüse, kann dazu führen, dass Sie (schneller als Sie glauben) das Interesse Ihrer Tiere wecken, auch einmal Gemüse zu probieren, dem ihre Leibspeise anhaftet. Sie können natürlich auch Gemüse mit (ein wenig) Nusspulver, gehackten Nüssen oder anderen Lieblingssaaten “panieren”. Die Hauptsache ist, Ihre Vögel müssen sich mit dem Gemüse erst schon einmal auseinandersetzen, den Geschmack “lernen”.

Ich persönlich friere viel Futter fertig gemischt ein. Dem Gemüse gebe ich immer einen sehr geringen Anteil frisches Obst bei, denn beim Auftauen verfremdet der Saft des Obstes auch das Aroma vom Gemüse.

Hier ein Tipp: Angegartes (im Wok ohne Fett) oder gedünstetes Gemüse ist bekömmlicher, weil die Hitze die pflanzlichen Zellstrukturen aufbricht und die Arbeit der Verdauungsorgane erleichtert. So bleibt es auch schön knackig und wertvolle Inhaltsstoffe werden nicht mit dem Kochwasser ausgeschüttet. Ganz nebenbei zeigt gegartes/gedünstetes Gemüse eine bessere Konsistenz im Frostfutter, nach dem Auftauen.

Einige Pflanzen enthalten problematische Inhaltsstoffe, die beim Erhitzen abgebaut werden, hier sollte man dann doch den Weg über das Kochen in Wasser gehen, weil diese Stoffe durch den Kochvorgang ins Wasser gelöst und dann abgeschüttet werden. Zu erwähnen wären hier z.b. Grüne Bohnen, sie sollten mindestens zehn Minuten gekocht werden, da sie Lektine enthalten. Rhabarber, Mangold und Spinat enthalten Oxalsäure, die sehr gut wasserlöslich ist.

Dass ich ein Fan vom Haltbarmachen via Dörren bin, hat sich sicherlich schon rumgesprochen. Gerade hier bieten sich gute Möglichkeiten der Verwertung von Gemüse. Durch den Flüssigkeitsentzug intensiviert sich der Geschmack des Dörrgutes ungemein. Eben dieser Entzug von Flüssigkeit bietet zusätlich auch die Möglichkeit, die Akzeptanz von Gemüse anderweitig zu erhöhen. Getrocknetes Gemüse ist oft auch Teil meines Frostfutters, im Auftauprozess verliert gerade das frische Obst große Mengen Saft, der das Trockengemüse rehydriert.
So bekommt die ehemals getrocknete Paprika plötzlich etwas Aroma vom Saft der aufgetauten Weintraube. Schritt für Schritt, lässt sich so nahezu jeder Papagei an Gemüse im Futter gewöhnen.

Ein Smoothie kann durchaus auch dazu genutzt werden, Ihre Vögel an den Geschmack von Gemüse zu gewöhnen. Auch hier haben wir gleich mehrere Vorteile:

Mit den Smoothies können Sie auch das Medical-Training via Futterspritze oder Löffen üben und zu große Mengen Frucht- / Gemüsemus können Sie im Eiswürfelbehälter einfrieren und Ihren Tieren auch mal als interessantes Eis-Futterspielzeug reichen. Gerade an warmen Tagen eine hervorragende Idee.

Beim Essen verhält es sich für unsere Papageien wie mit Spielzeug, je mehr man fummeln, zerstören und rumsauen kann, umso interessanter. Die Intelligenz und Langeweile unserer gefiederden Freunde sind daher gute Partner für uns, um die gesunde Fütterung zu fördern.

Bauen Sie Wraps, Rouladen oder sushiähnliche Rollen (ohne Fisch, versteht sich). Alles was eingewickelt ist, was sich zerpflücken lässt und dann auch noch Leckeres enthält, wird großen Anklang finden.
Hier wären z.B. selbst gemachte Vollkorn- oder Buchweizenwraps mit einer Füllung aus Gemüse und Nüssen, oder EINEM Anteil bevorzugtem Obst eine gute Idee. Aber auch ein Wrap aus Gemüse mit Obst- oder Saatenfüllung ist durchaus denkbar. Gerade auch mit o.g. gedörrtem Gemüse als Wrap-Verpackung.

Übrigens: Mit der Küchenmaschine, dem Stabmixer / Pürierstab, kann man auch interessante und gesunde “Dressings” aus Frucht/Gemüsemus und Kräutern herstellen und Sprossen (Keimlinge) geben eine tolle Art der kreativen Deko.

Mit etwas Geschick fertigen sie evtl. sogar Wraps, Smooties oder Sonstiges, die auch Ihnen schmecken. Dann sind Sie auf dem perfekten Weg. Sie können ihre Tiere “zum Dinner einladen”. Jeder Halter kennte es, was Sie essen, das wollen auch Ihre Vögel und das schmeckt denen dann gleich doppelt gut. Denn, wenn Sie als Halter das Essen, dann muss es ja gut sein. Freiland-Tiere lernen von Ihren Eltern und vom Schwarm, was sie Essen dürfen. In der Heimtierhaltung sind SIE Teil vom Schwarm. Schneller kann man seinen Vogel nicht dazu zu verleiten, etwas Neues auszuprobieren.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einige Anregugen mit auf den Weg geben.

In diesem Sinne:

Bleiben Sie kreativ, für Ihre Vögel!

Einen alten Beitrag zum Dörren finden Sie übrigens hier: PapageienUmschau